Wissenswertes über Kaniner
 

Überlegungen bevor Sie ein Kanin aufnehmen

 

Kaniner brauchen mindestens einen Artgenossen

 

Ein Kanin ist kein Spielzeug für Kinder

 

Die Eltern sollten stets die gesamte Verantwortung für das Tier übernehmen. Kinder, speziell Kleinkinder können Verantwortung für ein Lebewesen noch nicht tragen (überfordern Sie ihr Kind nicht), so dass die Eltern immer gefordert sind

 

Kaniner können bis zu 12 Jahre alt werden

 

Ist das Kanin im Urlaub versorgt?

 

Tiere sind nicht zum spielen und es sind keine Kuscheltiere!

 

Kaniner sind keine Geschenke!

 

Bei der Außenhaltung benötigen Sie ein Gehege von ca. 6 m²,

bei der Wohnungshaltung einen Käfig von mindestens 1,5 m Länge sowie täglichen Freilauf in Haus oder Wohnung von mindestens 3 Stunden!

 

Viele, zum Teil unüberlegt angeschaffte Kaniner, warten im Tierheim auf ein neues Zuhause!

 

 

Lebensweise

 

Meerschweinchen sind keine Partner für Kaniner, da das Verhalten von Kaninern und Meerschweinchen zu unterschiedlich ist. Die Haltung wird nur von unwissenden und unqualifizierten Tierhändlern empfohlen. Mehrere Meerschweine und mehrere Kaniner können allerdings problemlos zusammen gehalten werden, da dann jede Art seinen Artgenossen hat.

 

Am besten werden ein kastrierter Kaninbock und ein Weibchen zusammengehalten. Jedoch sollte nie der unterschiedliche Charakter eines jeden Kanins vergessen werden. Auch größere Gruppen mit unterschiedlichen Geschlechtern sind möglich.

Es ist zu beachten, dass es bei zu starker Wärme in der Wohnung zu Scheinträchtigkeit bei der Haltung eines Paares aber auch bei zwei Weibchen kommen kann. Sollte dies häufiger Vorkommen, ist eine Kastration des Kaninweibchens zu erwägen.

 

In der Natur leben Kaniner in großen Gruppen zusammen. Sie mögen nicht allein sein, auch wenn das in den meisten Zoogeschäften und Büchern verbreitet wird. Dann ist den Tieren langweilig und sie können keinen Kontakt pflegen. Dabei ist es lebenswichtig für die Tiere. Ohne Partner werden die lustlos, träge und verkümmern. Sie gewöhnen sich Stereotypien an, d.h. sie werden verhaltensgestört. Dabei sind sie lebhafte und gesellige Tiere. Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten keinen Kontakt zu anderen Menschen und Sie würden das ganze Leben lang in einem Zimmer eingesperrt sein und nur mal ab und zu Essen herein gestellt bekommen!

 

Das heißt, Kaniner müssen mindestens zu zweit leben! – Eine Einzelhaltung ist Tierquälerei!

 

Noch wohler fühlen sie sich allerdings wenn sie in einer größeren Gruppe leben können. Dann können sie ihr Sozialverhalten in der Gruppe richtig ausleben und wir Menschen erfreuen uns daran, wie „glücklich“ die Tiere sind.

 

Eine Gruppe besteht idealerweise aus einem kastrierten Bock und mehreren Weibchen. Mehrere Böcke und Weibchen in einer Gruppe zu halten könnte problematisch werden, weil die Böcke dann um die Weibchen und um ihr Revier kämpfen. Das kann so weit gehen, dass sie sich lebensbedrohlich verletzen. Also immer einen Bock mit mehreren Weibchen in einer Gruppe halten!

Möglich sind auch reine Weibchen oder Bockgruppen. Bei der Vergesellschaftung von Böcken sollte darauf geachtet werden, dass die Böcke vorher nicht mir Weibchen zusammengelebt haben und es sollten zu älteren Böcken möglichst Jungböcke dazugesellt werden. Sonst kann es zu Unverträglichkeiten und Beißereien kommen.

 

Bei drohender Gefahr gibt es für Kaniner mehrere Möglichkeiten: Angststarre oder Flucht aber auch Angriff bei Angst. Fühlt sich ein dominantes Tier in die Ecke gedrängt, kann es Sie durch schlagen der Vorderpfoten und beißen vertreiben wollen. Dies passiert häufig bei äußerst ängstlichen Tieren, wenn sie in den Käfig greifen. Dies bedarf einer Verhaltensherapie.

 

Seien Sie geduldig mit Ihrem Tier. Lassen Sie es sich zunächst ein bis zwei Tage an die neue Umgebung gewöhnen. Dann beschäftigen sie sich langsam mit dem Tier. Auch Kaniner müssen das Vertrauen zu den Menschen erst erlernen.

Wenn wir Menschen unsere Tiere nicht ständig bedrängen und sie bei jeder Gelegenheit herausnehmen und ständig mit ihnen herumtragen, sondern sie in ihrer Gegenwart ruhig und gelassen verhaltet, dann werden die Kaniner auch ruhiger. Es ist wichtig, dass die Menschen keine ruckartigen Bewegungen machen oder laut seit. Langsame Bewegungen, gedämpfte Tonlage und viel Geduld sollten wir schon aufbringen, damit die Tiere unser Vertrauen gewinnen. Menschen sollten akzeptieren, dass die Tiere Ruhephasen brauchen und nicht ständig herumgetragen werden wollen.

 

 

Krankheiten und Pflege

 

Um Krankheiten vorzubeugen und schneller zu erkennen, ist es unbedingt notwendig, täglich und wöchentlich eine Körperuntersuchung durchzuführen.

Täglich sollten wir unsere Tiere beobachten, wie sie zu den Futterstellen kommen, wie sich unsere Tiere verhalten und ob sie gut fressen. Liegen die Tiere entspannt oder sitzen die mit rundem Rücken verkrampft in der Käfigecke. Das sind auf jeden Fall Anzeichen für Unwohlsein und/oder Schmerzen und sollte näher untersucht werden.

 

Wenn die Tiere Saftfutter bekommen, sollten wir uns angewöhnen, es nicht einfach in den Käfig zu legen, sondern am Käfig stehen zu bleiben und es sich von den Kaninern aus der Hand nehmen zu lassen. So können wir das Verhalten und das Tier gut betrachten und beurteilen.

 

Einmal in der Woche sollten Sie ihr Tier genauer untersuchen. Sie sollten es wiegen und das Gewicht dokumentiert werden, um eine Kontrolle zu haben. Schwankungen bis zu 100 g liegen im normalen Bereich. Wiegen sie immer zur gleichen Tageszeit. Sollte das Gewicht stärker differieren, bitte den Arzt aufsuchen – es könnten Zahn- und Verdauungsprobleme vorliegen.

Unsere Krallen werden einmal im Monat kontrolliert und evtl. mit einer besonderen Krallenschere beschnitten. Achten Sie darauf, dass sie nicht  das lebende Gewebe unter den Nägeln einschneiden. Bei hellen Krallen ist es gut zu erkennen, bei dunklen Krallen muss man nach Gefühl schneiden, wer es sich nicht zutraut, sollte lieber den Tierarzt aufsuchen.

 

Die Augen sollten klar sein, die Ohren keine Verkrustungen. Schüttelt das Kanin häufig den Kopf, liegt es höchstwahrscheinlich an den Ohren. Die Nase muss sauber und trocken sein. Sind die Tiere verschnupft, sollten Sie den Tierarzt aufsuchen. Der Mund soll sauber sein und darf nicht gelblich verkrustet sein, das könnte Lippengrind sein und muss behandelt werden.

 

Sabbert das Kanin oder kaut es eigenartig hoch und großkreisig, könnten Zahnprobleme die Ursache sein. Die Vorderzähne werden kontrolliert, ob sie nicht schief, zu lang oder abgebrochen sind. Die Backenzähne sollte der Tierarzt ansehen. Aller spätestens wenn die Tiere nicht mehr fressen oder Verdauungsprobleme haben, sollten Sie den Tierarzt die Zähne kontrollieren lassen. Ursache können Zahnspitzen an den Backenzähnen sein und dies muss schnellstens behandelt werden.

 

Das Geschlecht muss sauber sein und darf nicht nass, verkrustet oder geschwollen oder wund sein. Die Analregion darf nicht verkrustet sein, da das Tier sonst keinen Kot absetzen kann und dies zu schmerzhaften Darmproblemen führt.

 

Langhaarkaninern sollten die Haare geschnitten werden, das sind Quälzüchtungen und somit ist es Tierquälerei. Die Tiere können sich nicht richtig putzen, dass Fell verschmutzt und kann dann Parasiten beherbergen, ferner kann es feucht werden, was den Kaninern wiederum im besten Fall Entzündungen der Haut oder Schnupfen einbringen kann.

 

Kaniner dürfen nicht nass werden. Sollte ihr Tier einmal nass werden, rubbeln sie es mit einem Handtuch gut und föhnen es dann trocken, sonst droht Lungenentzündung.

 

Beim Fellwechsel ist es hilfreich für die Tiere, wenn sie es ab und zu bürsten. So vermeiden Sie auch Haarballenbildung.

 

Impfungen sind absolut notwendig du dürfen nur bei gesunden Kaninern vorgenommen werden. Die Myxomatose-Impfung ist halbjährlich, die RHD-Impfung jährlich zu wiederholen. Eine gleichzeitige Impfung gegen Myxomatose, RHD und ansteckendem Schnupfen (Pasteurellen) ist möglich, aber nicht empfehlenswert, da es die Tiere zu sehr belastet.

 

 

Haltung

 

Die Haltung sollte so tiergerecht und naturgetreu wie möglich sein. Der Käfig für 2 Tiere sollte mindestens 2 m² groß sein. Kaniner bevorzugen erhöhte Liegeplätze. Zusätzlich können weitere Ebenen über die Gitter gelegt werden, auf die die Tiere klettern oder sich darunter verstecken können. Alternativ ist ein Holzhaus mit Flachdach einzustellen. Als Einstreu sind Kleintierstreu und Heu oder Stroh zu wählen. Bei mehr als zwei Kaninern empfiehlt es sich, ein Gehege selbst zu bauen. Hier sind beschichtete Spanplatten zu empfehlen, die urinbeständig sind und mit Essigwasser leicht gereinigt werden können. Auch sind Plexiglasscheiben zu empfehlen. Die Seitenwände sollten 50 cm hoch sein, damit die Tiere nicht entweichen können. Eine Abdeckung ist nicht nötig, es sei denn, es werden mehrere Ebenen eingerichtet. Gestalten Sie das Gehege möglichst abwechslungsreich mit Ästen, Zweigen, Wurzeln, Steinen, mehreren Unterschlüpfen aus Holz oder Pappe. Hier ist Ihrer Fantasie keine Grenze gesetzt.

 

Kot und Urin sollte täglich entfernt werden. Eine Komplettreinigung ist, je nach Grad der Verschmutzung durchzuführen.

 

Auslauf in der Wohnungen ist mit gewissen Gefahren verbunden. Vor jedem ersten Ausflug müssen Gefahrenquellen beseitigt werden: Kabel müssen so verlegt werden, dass sie für die Kaniner unerreichbar sind. Giftige Zimmerpflanzen sollten unerreichbar gestellt werden. Bei gewebten Teppichen besteht die Gefahr der Aufnahme von einzelnen Fäden.

 

Kaniner können zur Stubenreinheit erzogen werden. So ist auch ein ständiger Auslauf – ohne Einsperren in den Käfig möglich. Der Käfig könnte als Toilette diesen. Sollten die Kaniner anderen Zimmerecken bevorzugen, stellen Sie ein mit Kleintierstreu gefülltes kleine Katzenkosett an dieser Stelle auf.

 

Der Auslauf in der Wohnung sollte täglich mindestens 3 Stunden betragen. Ausreichende Bewegung beugt Krankheiten vor und steigert die Lebensfreude. Möbel, Schränke, beten, Tische oder Tapeten können angeknabbert werden. Können Sie sich damit arrangieren. Weniger Auslauf oder Wegsperren sind hier nicht die Lösung des Problems, sondern stellen Sie genügend Nagemöglichkeiten in Form von Ästen und Zweigen zur Verfügung.

 

 

Nahrung

 

Kaniner nehmen den ganzen Tag Nahrung zu sich. Es dürfen keine großen Pausen zwischen den Mahlzeiten entstehen. Futter sollte immer ad libido, d.h. ausreichend und immer, zur Verfügung stehen. Kaniner haben einen Stopfmagen, d.h., das Verdauungssystem ist immer aktiv und durch ständiges fressen wird die Nahrung im Magen und dann im Darm weiter geschoben. Wenn die Nahrungszufuhr unterbrochen ist, kommt es zu gefährlichen scherzhaften Blähungen, weil Lücken entstehen. Es kann bis zu 5 Tage dauern, bis das Futter, das die Tiere aufgenommen haben, wieder ausgeschieden wird. Fütterungsfehler können daher sehr quälend sein, weil es zu starken Verdauungsproblemen führen kann.

Fütterungsumstellungen sollten möglichst vermieden werden. Darauf reagieren die Tiere mit Verdauungsstörungen wie Durchfall, Blähungen und vermutlich Schmerzen. Wenn ein neues Nahrungsmittel eingeführt wird, dann bitte erst kleine Menge reichen, damit sich eine entsprechende Darmflora aufbauen kann, und dann langsam steigern.

Kaniner sind reine Pflanzenfresser. Das Verdauungssystem ist auf zellulosereiche Nahrung, d.h. auf rohfaserreiche Kost spezialisiert, somit ist das Hauptnahrungsmittel Heu. Es muss, ebenso wie Wasser (jeden Tag frisch und nicht in einer Flasche, da diese zu viele Bakterien beherbergen kann), immer reichlich zur Verfügung stehen. Es enthält die lebenswichtigen Rohfasern und dient dem Abrieb der Zähne. Die Zähne von Nagetieren wachsen ständig nach und durch das Kauen bzw. Mahlen schleifen sich die Backenzähne ab. Können die Tiere ihre Zähne nicht abschleifen durch entsprechende Nahrungsaufnahme, wachsen diese,  bis die Seiten in der Mitte zusammenwachsen und Brücken bilden. Dann können die Tiere nicht mehr fressen und der Tierarzt muss die Zähne abschließen. Das ist unangenehm, schmerzhaft und Stress. Das Tier kann nicht mehr fressen, was wiederum Verdauungsstörungen zur Folge hat.

 

In das Heu, das immer in großen Mengen vorhanden sein sollte, können Sie Kräuter und getrocknete Pflanzen mischen, wie Spitzwegerich, grüner Hafer, Pfefferminze, Brennessel, Löwenzahn, Melisse, Blütenmischungen und vieles mehr.

 

Damit die Tiere in der Wohnung nicht die Möbel benagen, sollten Sie ihnen reichlich Nagemöglichkeiten in Form von Obst-, Buchen- Birken-, Haselnuss-, Weide-, Linden-, Eschen- und Erikagehölz zur Verfügung stellen. Im Winter ernähren sich freilebende Kaniner von Rinde oder trockenen Blättern.

 

Saftfutter sollten Sie wie folgt reichen: Gurke, Wurzel mit Kraut, Fenchel mit Kraut, Apfel, Birne, Paprika ohne giftigen Stengel, Brokkoli, Wasser- und Honigmelone ohne Schale, Eibsberg-, Römer-, Feldsalat (keinen Kopfsalat da zu viel Nitrit), Chicoree, Frische Kräuter wie Petersilie, Dill, Basilikum, Salbei, Tomaten ohne giftigen Stengel, Radieschen mit Kraut, Maiskolben, Löwenzahn, Gras, Blätter und Zweige von Obstbäumen, Birken, Buchen, Haselnuss, ganze Topinambur Kraut und Knolle. Grundsätzlich gilt: das Tier frisst, was es mag. Es gibt Kaniner, die Erdbeeren, Kirschen und Pfirsiche/Nektarinen fressen.

Exotische Früchte wie Mango oder Ananas sollten Sie meiden.

 

Kohl sollte nur trocken und warm verfüttert werden. Wenn das Tier es noch nicht gefressen hat, sollte mit kleinen Portionen begonnen werden.

 

Grün- und Saftfutter sollten Sie am Abend reichen. So hat das Tier am Tag bereits viel Heu zu sich genommen und die Magen-/Darmtätigkeit ist angeregt.

 

Gemüse und Obst nie kalt aus dem Kühlschrank füttern. Es muss Zimmertemperatur haben, gewaschen und trocken sein. Ferner darf das Futter selbstverständlich nicht schlecht sein, sonst kann es zu schlimmen Verdauungsproblemen bis hin zum Tod des Tieres kommen.

 

Trockenfutter sollten die Tiere 1-2 Esslöffel erhalten. Hier gilt: weniger ist gesünder. Körnerfutter enthält zu viel Stärke und die Tiere werden auf die Dauer dick und träge. Es kann zu bösen Spätfolgen wie Verdauungsstörungen, Degenerierung der Muskeln etc. kommen. Leider enthält das handelsübliche Futter zu viel Körner und Melasse. Sie sollten das Futter daher aus getrocknetem Gemüse und Kräutern selbst mischen.

 

Leckereien wie Joghurtdrops, Knabberstanden, Hippies, Hoppies, Trollis, und Dollis (!) usw. sollten vermieden werden. Es sind zuviel zuckerähnliche Stoffe und Backwaren enthalten, die die Verdauung schädigen. Außerdem enthalten sie Farbstoff und haben Formen wie Drachen o.ä., die die Kaniner überhaupt nicht interessieren, sondern nur als Werbemittel für uns Menschen gedacht sind.

Leckereien entsprechen in keiner Weise der natürlichen Nahrung von Kaninern und schaden dem Leben und der Gesundheit der Tiere (übrigens nicht nur der Tiere).

Belohnen Sie ihr Tier mit einer Gurkenscheibe, Löwenzahn oder Fenchel oder getrocknete Kräuter, Zweigen mit Blättern, Petersilie oder ähnlichem – dies ist viel gesünder ...

 

 

Ich wünsche Ihnen allzeit gesunde Kaniner und viel Freude mit Ihren Tieren.

 

Sollten Sie weitere Fragen haben, rufen Sie mich gern an oder schickem mir eine email!

B. Hünemörder Fon: 0171 9363704