Wissenswertes über Meerschweine
 
Meerschweine brauchen mindestens einen Artgenossen

 

Ein Meerschwein ist kein Spielzeug für Kinder

 

Die Eltern sollten stets die gesamte Verantwortung für das Tier übernehmen. Kinder, speziell Kleinkinder können Verantwortung für ein Lebewesen noch nicht tragen (überfordern sie ihr Kind nicht), so dass die Eltern immer gefordert sind

 

Meerschweine können bis zu 7 Jahre alt werden

 

Ist das Meerschwein im Urlaub versorgt

 

Tiere sind nicht zum spielen und es sind keine Kuscheltiere

 

Meerschweine sind keine Geschenke

 

Bei der Außenhaltung benötigen Sie ein Gehege von ca. 6 m²,

bei der Wohnungshaltung einen Käfig von mindestens 1,5 m Länge sowie täglichen Freilauf in Haus oder Wohnung von mindestens 3 Stunden

 

Viele, zum Teil unüberlegt angeschaffte Meerschweine, warten im Tierheim auf ein neues Zuhause!

 

 

Geschichte

 

Das Meerschwein wurde im Mittelalter nach Europa gebracht. Sir Francis Drake war einer der Ersten, der die Tiere aus Südamerika einführte. Weil sie so eine rundliche Körperform haben und über das Meer kamen, wurden sie Meerschweine genannt. Im englischen heißen sie „Guinea pig“. Ein Meerschwein war zur damaligen Zeit sehr teuer. Es kostete 1 Guinee, ein Pferd kostete 12 Guinees.

 

Das Pfeifen der Meerschweine können Ratten nicht aushalten, deswegen wurden sie gern auch mit Kaninern zusammen gehalten. Hieraus ist entstanden, dass Meerschweine und Kaniner sich gut verstehen, was überhaupt nicht der Fall ist, da das Sozialverhalten der Tiere völlig unterschiedlich ist.

 

 

Lebensweise

 

Meerschweinchen sind sozial lebende Tiere. Sie sind keine Partner für Kaninchen, da das Verhalten von Kaninchen und Meerschweinchen zu unterschiedlich ist. In der Natur leben Meerschweine in Gruppen von bis zu 20 Tieren. Sie mögen nicht allein sein, auch wenn das in den meisten Zoogeschäften und Büchern verbreitet wird. Dann ist den Tieren langweilig und sie können keinen Kontakt pflegen. Dabei ist es lebenswichtig für die Tiere. Ohne Partner werden die lustlos, träge und verkümmern. Sie gewöhnen sich Stereotypien an, d.h. sie werden verhaltensgestört. Dabei sind sie lebhafte und gesellige Tiere, die sich viel zu „erzählen“ haben. Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten keinen Kontakt zu anderen Menschen und Sie würden das ganze Leben lang in einem Zimmer eingesperrt sein und nur mal ab und zu Essen herein gestellt bekommen!

 

Das heißt, Meerschweinchen müssen mindestens zu zweit leben! – Eine Einzelhaltung ist Tierquälerei!

 

Noch wohler fühlen sie sich allerdings wenn sie in einer größeren Gruppe leben können. Dann können sie ihr Sozialverhalten in der Gruppe richtig ausleben und wir Menschen erfreuen uns daran, wie „glücklich“ die Tiere sind.

 

Eine Gruppe besteht idealerweise aus einem kastrierten Bock und mehreren Weibchen. Mehrere Böcke und Weibchen in einer Gruppe zu halten könnte problematisch werden, weil die Böcke dann um die Weibchen und um ihr Revier kämpfen. Das kann so weit gehen, dass sie sich lebensbedrohlich verletzen. Also immer einen Bock mit mehreren Weibchen in einer Gruppe halten!

Möglich sind auch reine Weibchen oder Bockgruppen. Bei der Vergesellschaftung von Böcken sollte darauf geachtet werden, dass die Böcke vorher nicht mir Weibchen zusammengelebt haben und es sollten zu älteren Böcken möglichst Jungböcke dazugesellt werden. Sonst kann es zu Unverträglichkeiten und Beißereien kommen.

 

Bei drohender Gefahr gibt es für Meerschweine zwei Möglichkeiten: Angststarre oder Flucht.

Daher brauchen sie viele Versteckmöglichkeiten und Unterschlüpfe, in die sie flüchten können, wenn Gefahr droht. Es ist also völlig natürlich, wenn sie in ein Häuschen flüchten, wenn wir sie herausgreifen wollen. Meerschweine müssen das Vertrauen zu den Menschen erst erlernen.

 

Wenn wir Menschen unsere Tiere nicht ständig bedrängen und sie bei jeder Gelegenheit herausnehmen und ständig mit ihnen herumtragen, sondern sie in ihrer Gegenwart ruhig und gelassen verhaltet, dann werden die Meerschweine auch ruhiger. Es ist wichtig, dass die Menschen keine ruckartigen Bewegungen machen oder laut seit. Langsame Bewegungen, gedämpfte Tonlage und viel Geduld sollten wir schon aufbringen, damit die Tiere unser Vertrauen gewinnen. Menschen sollten akzeptieren, dass die Tiere Ruhephasen brauchen und nicht ständig herumgetragen werden wollen.

 

 

Krankheiten und Pflege

 

Um Krankheiten vorzubeugen und schneller zu erkennen, ist es unbedingt notwendig, täglich und wöchentlich eine Körperuntersuchung durchzuführen.

Täglich sollten wir unsere Tiere beobachten, wie sie zu den Futterstellen kommen, wie sich unsere Tiere verhalten und ob die Meerschweine tatsächlich fressen oder nur so tun (leichtes Kopfnicken). Liegen die Tiere entspannt oder sitzen die mit gesträubtem Fell apathisch in der Käfigecke. Das sind auf jeden Fall Anzeichen für Unwohlsein und/oder Schmerzen und sollte näher untersucht werden.

 

Wenn die Tiere Saftfutter bekommen, sollten wir uns angewöhnen, es nicht einfach in den Käfig zu legen, sondern am Käfig stehen zu bleiben und es sich von den Meerschweinen aus der Hand nehmen zu lassen. So können wir das Verhalten und das Tier gut betrachten und beurteilen.

 

Einmal in der Woche sollten Sie ihr Tier genauer untersuchen. Sie sollten es wiegen und das Gewicht dokumentiert werden, um eine Kontrolle zu haben. Schwankungen bis zu 50 g liegen im normalen Bereich. Wiegen sie immer zur gleichen Tageszeit. Sollte das Gewicht stärker differieren, bitte den Arzt aufsuchen – es könnten Zahn- und Verdauungsprobleme vorliegen.

Unsere Krallen werden einmal im Monat kontrolliert und evtl. mit einer besonderen Krallenschere beschnitten. Achten Sie darauf, dass sie nicht  das lebende Gewebe unter den Nägeln einschneiden. Bei hellen Krallen ist es gut zu erkennen, bei dunklen Krallen muss man nach Gefühl schneiden, wer es sich nicht zutraut, sollte lieber den Tierarzt aufsuchen. Manche Schweine bekommen unter den Füßen Hornlappen. Diese sollten vorsichtig mit einer Nagelschere weggeschnitten werden. Auch hier kann der Tierarzt um Hilfe gebeten werden.

 

Die Augen sollten klar sein, die Ohren keine Verkrustungen oder Schuppen haben. Die Nase muss sauber und trocken sein. Sind die Tiere verschnupft, sollten Sie den Tierarzt aufsuchen. Der Mund soll sauber sein und darf nicht gelblich verkrustet sein, das könnte Lippengrind sein und muss behandelt werden.

 

Sabbert das Meerschwein, könnten Zahnprobleme die Ursache sein. Die Vorderzähne werden kontrolliert, ob sie nicht schief, zu lang oder abgebrochen sind. Die Backenzähne sollte der Tierarzt ansehen. Aller spätestens wenn die Tiere nicht mehr fressen oder Verdauungsprobleme haben, sollten Sie den Tierarzt die Zähne kontrollieren lassen. Ursache können Zahnspitzen an den Backenzähnen sein und dies muss schnellstens behandelt werden.

 

Das Geschlecht muss sauber sein und darf nicht nass, verkrustet oder geschwollen sein.

 

Langhaarschweine sollten die Haare geschnitten werden, das sind Quälzüchtungen und somit ist es Tierquälerei. Die Tiere können sich nicht richtig putzen, dass Fell verschmutzt und kann dann Parasiten beherrbergen, ferner kann es feucht werden, was den Meerschweinen wiederum im besten Fall. Entzündungen der Haut oder Schnupfen einbringen kann.

 

Stellen Sie an ihrem Tier Wunden oder Beulen fest, suchen Sie den Tierarzt auf. Besonders im Kieferbereich kann es zu Kieferabzessen kommen.

 

 

Haltung

 

Die Haltung sollte so tiergerecht und naturgetreu wie möglich sein. Der Käfig für 2 Tiere sollte mindestens 1 x 0,5 m groß sein. Zusätzlich können weitere Ebenen über die Gitter gelegt werden, auf die die Tiere klettern oder sich darunter verstecken können. Auch das Verbinden der Käfige unter- oder übereinander wäre eine Möglichkeit, den Tieren eine abwechslungsreiche Haltung zu ermöglichen. Hier können Löcher in den Boden geschnitten werden und Holztreppen eingesetzt werden. Bei mehr als zwei Schweinen empfiehlt es sich, ein Gehege selbst zu bauen. Hier sind beschichtete Spanplatten zu empfehlen, die urinbeständig sind und mit Essigwasser leicht gereinigt werden können. Auch sind Plexiglasscheiben zu empfehlen. Die Seitenwände sollten 50 cm hoch sein, damit die Tiere nicht entweichen können. Eine Abdeckung ist nicht nötig, es sei denn, es werden mehrere Ebenen eingerichtet. Gestalten Sie das Gehege möglichst abwechslungsreich mit Ästen, Zweigen, Wurzeln, Steinen, mehreren Unterschlüpfen aus Holz oder Pappe. Hier ist Ihrer Fantasie keine Grenze gesetzt.

 

Kot und Urin sollte täglich entfernt werden. Eine Komplettreinigung ist, je nach Grad der Verschmutzung durchzuführen.

 

 

Nahrung

 

Meerschweine nehmen über den Tag verteilt bis zu 80 kleine Mahlzeiten zu sich. Es dürfen keine großen Pausen zwischen den Mahlzeiten entstehen. Futter sollte immer ad libido, d.h. ausreichend und immer, zur Verfügung stehen. Meerschweine haben einen Stopfmagen, d.h., das Verdauungssystem ist immer aktiv und durch ständiges fressen wird die Nahrung im Magen und dann im Darm weiter geschoben. Wenn die Nahrungszufuhr unterbrochen ist, kommt es zu gefährlichen scherzhaften Blähungen, weil Lücken entstehen. Es kann bis zu 5 Tage dauern, bis das Futter, das die Tiere aufgenommen haben, wieder ausgeschieden wird. Fütterungsfehler können daher sehr quälend sein, weil es zu starken Verdauungsproblemen führen kann.

Fütterungsumstellungen sollten möglichst vermieden werden. Darauf reagieren die Tiere mit Verdauungsstörungen wie Durchfall, Blähungen und vermutlich Schmerzen. Wenn ein neues Nahrungsmittel eingeführt wird, dann bitte erst kleine Menge reichen, damit sich eine entsprechende Darmflora aufbauen kann, und dann langsam steigern.

Meerschweine sind reine Pflanzenfresser. Das Verdauungssystem ist auf zellulosereiche Nahrung, d.h. auf rohfaserreiche Kost spezialisiert, somit ist das Hauptnahrungsmittel Heu. Es muss, ebenso wie Wasser (jeden Tag frisch und nicht in Flaschen, da diese zu viele Bakterien beherbergen) , immer reichlich zur Verfügung stehen. Es enthält die lebenswichtigen Rohfasern und dient dem Abrieb der Zähne. Die Zähne von Nagetieren wachsen ständig nach und durch das Kauen bzw. Mahlen schleifen sich die Backenzähne ab. Können die Tiere ihre Zähne nicht abschleifen durch entsprechende Nahrungsaufnahme, wachsen diese,  bis die Seiten in der Mitte zusammenwachsen und Brücken bilden. Dann können die Tiere nicht mehr fressen und der Tierarzt muss die Zähne abschließen. Das ist unangenehm, schmerzhaft und Stress. Das Tier kann nicht mehr fressen, was wiederum Verdauungsstörungen zur Folge hat.

 

In das Heu können Sie Kräuter und getrocknete Pflanzen mischen, wie Spitzwegerich, grüner Hafer, Pfefferminze, Brennessel, Löwenzahn, Melisse, Blütenmischungen und vieles mehr.

 

Vitamin C ist wichtig für Meerschweine. Die Tiere können dies, genau wie wir Menschen, nicht selbst generieren. Daher sollten Sie darauf achten, dass die Tiere immer genügend Vit. C zu sich nehmen. Sie können Vit. C-Pallets zufüttern oder ab und zu eine Messerspitze Vit. C-Pulver in das Trinkwasser (250 ml) mischen. Achten Sie besonders im Winter auf Vit. C-haltige Nahrung. Bei Vit.C-Mangel sind die Tiere antriebslos, sitzen apathisch in der Ecke, werden anfällig für Infektionen, bekommen Haarausfall oder Hautkrankheiten. Die Beine schwellen an, im schlimmsten Fall sind Knochenbrüche und innere Blutungen zu erwarten.

 

Saftfutter sollten Sie wie folgt reichen: Gurke, Wurzel mit Kraut, Fenchel mit Kraut, Apfel, Paprika ohne giftigen Stengel, Brokkoli, Wasser- und Honigmelone ohne Schale, Eibsberg-, Römer-, Feldsalat (keinen Kopfsalat da zu viel Nitrit), Chicoree, Frische Kräuter wie Petersilie, Dill, Basilikum, Salbei, Tomaten ohne giftigen Stengel, Radieschen mit Kraut, Mais und Blätter, Löwenzahn, Gras, Blätter und Zweige von Obstbäumen, Birken, Buchen, Haselnuss, ganze Topinamburpflanze.

Exotische Früchte wie Mango oder Ananas sollten Sie meiden. Meerschweinchen fressen in ihrer Heimat meist Gras und Blätter.

 

Grün- und Saftfutter sollten Sie am Abend reichen. So hat das Tier am Tag bereits viel Heu zu sich genommen und die Magen-/Darmtätigkeit ist angeregt.

 

Gemüse und Obst nie kalt aus dem Kühlschrank füttern. Es muss Zimmertemperatur haben, gewaschen und trocken sein. Ferner darf das Futter selbstverständlich nicht schlecht sein, sonst kann es zu schlimmen Verdauungsproblemen bis hin zum Tod des Tieres kommen.

 

 

Trockenfutter sollte Tiere, die innerhalb des Hauses gehalten werden, nicht gereicht werden. Körnerfutter enthält zu viel Stärke und die Tiere werden auf die Dauer dick und träge. Es kann zu bösen Spätfolgen wie Verdauungsstörungen, Degenerierung der Muskeln etc. kommen. Leider enthält das handelsübliche Futter zu viel Körner und Melasse. Sie sollten das Futter daher aus getrocknetem Gemüse und Kräutern selbst mischen.

 

Leckereien wie Joghurtdrops, Knabberstanden, Hippies, Hoppies, Trollis, und Dollis (!) usw. sollten vermieden werden. Es sind zuviel zuckerähnliche Stoffe und Backwaren enthalten, die die Verdauung schädigen. Außerdem enthalten sie Farbstoff und haben Formen wie Drachen o.ä., die die Meerschweine überhaupt nicht interessieren, sondern nur als Werbemittel für uns Menschen gedacht sind.

Leckereien entsprechen in keiner Weise der natürlichen Nahrung von Meerschweinen und schaden dem Leben und der Gesundheit der Tiere (übrigens nicht nur der Tiere).

Belohnen Sie ihr Tier mit einer Gurkenscheibe, Löwenzahn oder Fenchel oder getrocknete Kräuter, Zweigen mit Blättern, Petersilie oder ähnlichem – dies ist viel gesünder ...

 

Abschließend noch einige Buchtips:

 

-         Ruth Morgenegg: Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für Meerschweinchen, ISBN 3-9522661-0-8

 

-         Ilse Pelz: Mehr über Meerschweinchen, ISBN 3-88627-300-8

 

-         Dr. Alois Weber: Homöopathe und Kräuteranwendung bei Meerschweinchen, ISBN 3-85068-464-4

 

www.fraumeier.org

www.the-golden-nuggets.de

www.das-heimtierparadies.de   für gutes Tierfutter

www.futterkonzept.de

 

 

Ich wünsche Ihnen allzeit gesunde Meerschweine und viel Freude mit Ihren Tieren.

 

Sollten Sie weitere Fragen haben, rufen Sie mich gern an oder schickem mir eine email!

B. Hünemörder Fon: 0171 9363704